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Ausstellung “Sampelt” in der Galerie Krüger Corporate Art in Koblenz, 2015

Bild-neben-ellens-text-zu-sampelt

Patricia Hell sampelt. Der Beginn ihrer Aufzeichnungen wird durch Bilder,
 Atmosphärisches ausgelöst. Die Sicherheit, dass die Augen etwas finden, was in die
Hände fließt, gab es schon für das Kind. Darauf kann sie sich verlassen, wenn sie sich
umsieht und die Bilder aufnimmt, um sie in andere Bilder zu wandeln, zu übersetzen.
Patricia Hell legt ein persönliches Archiv an. Sie hält den Moment nicht fest, sondern nur
locker, bannt ihn nicht auf die Leinwand, sondern lädt ihn freundlich ein, sich in Linie und
Farbe zu verwandeln. Manchmal zeichnet sie im Inneren Gesehenes auf, manchmal
Eindrücke von außen.nIm Bild treffen sich diese Eindrücke: Die Frankfurter
Straßenschlucht wird geflutet, Patricias Freude am Wasser stellt sich neben die
Beobachtung des pulsierenden Stadtlebens.
Sampelt 1

Patricia zeichnet. Warum atmen wir sofort eine Stimmung, wenn wir Patricias Bilder
betrachten? Die Andeutungen aktivieren die zweite Bildebene, diesen Schirm hinter
unseren Augen, die Projektionsfläche unsere eigenen Seherfahrungen. Unsere Augen
selbst werden durch die Linie angezogen, die in das Bild hineingeführt. Die Linie kann uns
anlocken, kann verdichtet und konkretisiert werden wie in den Autos auf der Brücke, dem
Busch, dem Rücken des Hais - um an anderer Stelle frei zu wandern wie in den
Nähmaschinen oder in „Encounter“. Alles ist erlaubt, so lange es die Qualität hat, zu
fesseln. Alle Materialien einschließlich früherer Arbeiten werden verwendet, so wie in
„Aquarium“. Zwischen den einzelnen Werkstücken darf gesprungen werden. Das, was da
ist und dessen Wahrnehmung wirken auf die Verarbeitung ein. Deswegen hält Patricia
manchmal inne, um zu spüren, was jetzt dran ist. Gleichzeitig arbeitet der Kopf, findet
Details, die ausgearbeitet werden wollen, bringt sie miteinander in Verbindung. Ein
Rhythmus aus Aneignung, Variation und Verwandlung entsteht, in ihrer Arbeit
und auf den Bildern.
Sampelt 2

Patricia gestaltet mit Farbe. Farbe wie in den bunten Hemden der Trucker. Ihre aus der
Form geratenen Körper und Leben gehören zur anmutigen Gelassenheit der Mitfahrerin
wie die zweite Seite einer Medaille; der riesige Lastwagen wird zur linearen Folie dieses
poetischen Momentes im gemeinsamen Alltag on the road. So treffen sich Sichtbares,
Erinnertes und Assoziiertes auf dem Bild und in unserem Kopf. Die Zeichnerin und die
Malerin Patricia treffen sich und beschließen, dem Biker einen brennenden Busch
beizugeben. Sie  statten die Tänzer mit schwingenden Linien und dem behäbigen
Farbklang der Fünfzigerjahre aus. Sie kollaborieren im Karussel, wenn die Linien - keine
zuwenig und keine zuviel - mit dem Hauch von Farbe gemeinsam den kurzen
beglückenden Schwindel der Fahrt beschwören. Sie lieben den Überschwang des Blind
date und die Zurückhaltung der durchscheinenden Quallen in „shark“. Sie feiern das
Leben und jeden Moment.
Sampelt 3

Ellen Löchner ( Eröffnungsrede zur Ausstellung “Sampelt” in der Galerie Krüger Corporate Art in Koblenz, 2015 )