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Fries202

Die Farbe wird in breiten, oft lang gezogenen Pinselstrichen, in hastigen, skripturalen Schwngen oder mit dem Spachtel dick geschichtet auf den Bildtrger aufgebracht. Sie ist stets auch in ihrer materialen Qualitt prsent und immer kann der Vorgang der Malerei genau nachempfunden werden. Die Farbe entfaltet ihre Kraft in sensiblen Variationen des Farbtons und seiner Nachbarschaften oder in starken Kontrasten. Unterschiedliche Bewegungen im Farbauftrag erzeugen  rumliche Vibrationen und Unschrfen. Eine Komposition gibt es nicht, doch eine feste, organisierte Struktur wird wie textiles Gewebe geflochten. Farbe und Linie steigern sich im wechselseitigen Zusammenklang.

Patricia Hell malt Bilder.

Dies klingt banal, verwundert aber in Anbetracht der Gemlde. Die Titel der Bilder benennen die Motive, deren Abbild nicht erkennbar ist. Aber gerade die vom Gegenstand losgelste Malerei lsst auf ihre Weise eine gltige Darstellung der realen Welt zu. Die Illusion des Lichts wird von der Gegenwart der Farbe verdrngt. Die knstlerischen Mittel sind autonom. Das Fehlen jeglicher ikonischer und narrativer  Elemente  lsst in gleichsam lyrischer Leichtigkeit  metaphorische Bilder entstehen und mndet in unmittelbarer synsthetischer Erfahrbarkeit. Die Farbwirkungen werden zum visuellen Erlebnis, genauso wie die rauen Oberflchen der Farbkrusten sprbar sind.

Die Atmosphre des Ateliers ist gegenwrtig und der Geruch von Farbe, Leinl und Terpentin drngt sich auf. So entsteht wunderbar vielschichtige Malerei,  und das nicht nur im wrtlichen Sinn.

Patricia Hell stellt durch die Bildtitel kunstgeschichtliche Bezge her: Nach van Goghs `Smann“ zitiert zumindest die Farbigkeit des Vorbilds; die Reihe  Aus Monets Garten“ ist, bis auf die Tatsache, dass es sich um eine Reihe handelt, nicht mehr bildmig in ihrem impressionistischen Bezug nachzuempfinden. Schlielich ermglicht der Verzicht auf jede mimetische Andeutung die Erschlieung von atmosphrischen Eindrcken, die ber die Motivik der Impressionisten hinausgeht: Die Bilder Rosenflug“ und Lichtrauschen“ zum Beispiel schaffen Atmosphren, die ber die sichtbaren physikalischen Phnomene  hinaus imaginre Rume erschlieen. Die gegenber dem Impressionismus gesteigerte, impulsive Gestik der Pinselfhrung knnte als Anklnge an den Tachismus  oder den abstrakten Expressionismus aufgefasst werden, jedoch fehlt Patricia Hells Bildern der sich selbst gengende Habitus. Der Farbauftrag fgt sich bei aller Freiheit przise in die Struktur des Bildorganismus. Der Duktus variiert den Bildthemen entsprechend und wird zum unverzichtbaren, intellektuellen Bestandteil der knstlerischen Intention.

“Resampling ist Schreiben von Bildern“. Schrift und Sprache sind abstrakte, symbolhafte Medien eines Kommunikationsprozesses, in dem der Verlust oder die Strung von Information als Rauschen“ bezeichnet wird. So zeigen Patricia Hells Bilder in mehrfacher Weise den prozesshaften Charakter von Kunstwerken, die oft lediglich als Objekte gesehen werden. Nicht nur das Schaffen, auch das Wirken ist ein aktiver Vorgang, der Zeit und Arbeit erfordert. Diese Leistung muss der Betrachter erbringen, um im besten Fall zu erreichen, was Schiller den sthetischen Zustand“ nennt: Jenes euphorische Erlebnis der Erkenntnis, die ber das rationale Erfassen des Gegenstandes hinausgeht. Fr den Betrachter kann dabei Rauschen“ Chance und Gewinn bedeuten.                                                                                                                                  

Fazit:

Gerade durch die Rckschau auf vorangegangene Kunst ist Patricia Hells Malerei als innovatives und authentisches Ausdrucksmittel von unmittelbaren, subjektiven Sinneseindrcken eine eminent zeitgenssische Stellungnahme, die der bildhaften Malerei einen berzeugenden und eigenstndigen Beitrag hinzufgt und entgegenhlt.

Karl Wilhelm Ducoffre ( Erffnungsrede zur Ausstellung “resamplet”, in der Galerie Palais Walderdorff in Trier, 2007 )